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#veraltet: Blog als Archiv!

Das Weltcafe ist Geschichte.

Der Blog bleibt aber noch eine Weile online. Viele Informationen sind natürlich überholt aber vielleicht inspirieren sie ja noch jemanden. Achtet also beim Lesen bitte auf das Veröffentlichungsdatum.

Hotelnomaden im Weltcafé :-(

Vorneweg: Wir haben wirklich nette Gäste im Weltcafé die gut zu uns passen. Schliesslich informieren wir über das was wir bieten und nicht bieten können möglichst transparent auf der Homepage. Da gibt es dann selten Enttäuschungen. Schon oft haben wir gehört: "Das sieht ja genau so aus, wie im Internet". Genau!

Ganz wenige Gäste beschäftigen uns aber besonders. Wie z.B. manche russischen Gäste, die mit ungültiger Kreditkarte Buchen um sich ein Visum zu erschleichen und sich dann nie sehen lassen.

 

Jetzt hatten wir aber etwas besonders ägerliches: eine Hotelnomadin. Quasi eine Mietnomadin im Hotel.

 

Alles begann mit einer Email am vergangenen Samstag, ob wir denn noch kurzfristig ein Einzelzimmer für eine "Bekannte" frei hätten. Da wir nicht schnell genug geantwortet hatten, rief die Frau zu den Café-Zeiten an. Ja, natürlich. Zimmer 1 war frei und so kam die "Bekannte" um 16:30 Uhr und checkte ein.

Als Katrin Zimmermann füllte sie artig den Meldeschein aus. Sie käme aus München und wäre in Dresden auf Jobsuche. Sie würde dann am Montag-Abend Bescheid sagen, ob sie bis Dienstag oder Mittwoch bleibt.

Soweit war alles gut. Den Ausweis haben wir nicht kontrolliert, obwohl das veraltete Sächsische Meldegesetzt (SächsMG §18 (2)) und das sogar von Inländern verlangen würde. Tatsächlich macht das fast niemand mehr. Wir werden schon manchmal kritisiert, dass wir überhaupt einen Meldeschein ausfüllen lassen. "Das hab ich noch nie erlebt und ich komme viel rum" - ist so das bekannte Argument. Wir kommen auch viel rum und erleben es dagegen ständig. Noch gelten 16 verschiedene Landes-Meldegesetze. Erst im Mai 2015 tritt das neue Bundesmeldegesetzt in Kraft. Und selbst dann gibt es noch den Meldeschein. Nur darf er dann schon ausgedruckt dem Gast zur Unterschrift vorgelegt werden.

Montag Abend kam sie nicht zum Bezahlen und Bescheidsagen. Die Kollegin ist dann kurz vor 20 Uhr rauf und wollte nachfragen. Da kam ein "komischer Typ" aus dem Bad, es roch verraucht und unser Gast lag "irgendwie zugedröhnt" auf dem Bett. Sie habe es vergessen und komme morgen. Nun ja.

Dienstag Abend kam sie natürlich auch nicht. Und Mittwoch-Früh war sie weg.

Oha. Was war das? Das Zimmer sah wüst aus, das Bettzeug war unter das Bett gestopft, die Minibar war gut geleert aber immerhin der Zimmerschlüssel war da.


Und sie hat einen Geldbeutel vergessen mit Führerschein auf den Namen der Frau, die am Samstag angerufen hat. Spätestens jetzt war der Punkt erreicht, dass wir zur Polizei gehen mussten. Denn was war das? Hat sie den Geldbeutel gestohlen?

Die Polizei in Gorbitz war sehr an dem Fall interessiert und legte meiner Kollegin schließlich ein Foto vor. Ja, das war sie und es war auch die Frau, der der Führerschein gehört. Also handelte es sich nicht um zwei Frauen sondern um eine. Der Name Katrin Zimmermann war frei erfunden. An der Adresse in München wohnt sie nicht mehr. Sie ist wohnsitzlos und polizeibekannt. Nur erfährt die Polizei in der Regel immer erst "nach Abreise", wo sie wieder war.

Bei uns hat sie aber auch einen handgeschriebenen Zettel mit günstigen Pensionen in Löbtau/Cotta vergessen. Unter den vier war auch das Weltcafé. Ich habe dann am Mittwoch-Abend die anderen drei Häuser angemailt und gebeten, die  Polizei zu informieren, wenn Frau "Zimmermann" bei Ihnen war oder ist.

 

Gleich am nächsten Morgen hatte ich viel zu telefonieren: Eine der Pensions-Inhaberinnen hat sich gemeldet und bedankt. Frau "Zimmermann" war bei ihr bzw. wurde mittlerweile von der Polizei abgeholt.


So richtig freuen kann man sich über so eine gescheiterte Existens nicht. Aber wir machen uns natürlich Gedanken, ob wir an unserem Umgang mit den Kunden etwas ändern müssen. Sollen wir in Zukunft die Ausweise kontrollieren? Hätten wir es dann gemerkt? Sollen wir Vorkasse verlangen? Oder grundsätzlich keine Gäste mehr spontan annehmen?

Aktuell tendiere wir dazu, nichts zu ändern. Vielleicht verlangen wir in Zukunft in Zweifelsfällen den Ausweis. Nur weil wir in über 5 Jahren plötzlich so einen Reinfall hatten, müssen wir nicht alle anderen Gäste verdächtigen. Sollte das aber Mode werden, müssen wir uns sicher etwas überlegen.


Der Schaden? Je nachdem, wie man es rechnet sind das ca. 228€ (Rechnung + geklauter Baumwolldecke) bis ca. 150€ (Extra Arbeitsstunden (brutto), Minibar (netto), Baumwolldecke (netto)). Das ist ägerlich aber für uns noch ein Betrag, den wir tragen können. Unsere Versicherung schützt uns zwar vor Einbruch-Diebstahl und vor dem finanziellen Schaden einer Betriebsunterbrechung. Aber das sind dann wirklich andere Größenordnungen.

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